Warm in Kasan?

16Nov09

OHNEWORTEsein

musikvorn

Nicht jeder stört sich daran, dass sich in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, die Temperaturen eher unter null befanden. Nun, ich fand es trotz dicker Jacke ziemlich kalt. Außerdem: Ein Rücken zum Entzücken zum Aufklappen.

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OHNEWORTEsein

spielzeug

Habe ein neues Spielzeug und ich mag es. Bald werde ich es bestimmt auch sinnvoll verwenden. Vielleicht.


BELESENsein

Die aktuelle Parole ist die, dass nun nicht geredet, sondern getan werden muss. Das ist die Verzweiflung, an der die große vaterländische Aktion (ein Haufen Österreicher) angekommen ist, weil sie festgestellt haben, dass der Zugang zur Seele im Jahr 1913 echt schwer zu finden ist. Und irgendwas muss man ja machen – also die Tat. Auch andere sind im „Mann ohne Eigenschaften“, den ich immer noch lese, weil es ein echt langes Buch mit echt langen und verschachtelten Sätzen ist, nun auf dem Weg zur Tat, auch wenn Held Ullrich das vor allem macht, indem er seine Schwester, mit der was geht, machen lässt.  Das kommt also bei raus, wenn man denkt und denkt und denkt, aber doch nicht alles zusammen in einen großen Gedanken bekommt. Tolle Aussichten!

Mal schauen, was ich daraus lerne. Danach kommt erst einmal Lermonotow mit „Held unserer Zeit“; mal sehen, wie tatkräftig der ist, in guter Tradition russischer Literatur wird er aber bestimmt eher mehr reflektieren. Schon ironisch, da die Helden Russlands der aktuellen Zeit ja auch eher die Parole der Tat verfolgen – immerhin warb bei den Wahlen zur Stadtduma „Einiges Russland“ mit dem Spruch: „Wort halten, Sachen machen.“

Übrigens, auch in meiner Uni scheint man jetzt die Parole der Tat ausgerufen zu haben. Während meine erste Registrierung noch drei Wochen gedauert hat, ist die zweite nun noch am selben Tag fertig gewesen. Das wird mich nachhaltig beeindrucken.

MUSIKseinAlso das ist jetzt nicht der Insidertip. Aber die Musik und vor allem die Konzerte sind trotzdem toll, deshalb hier noch einmal: Markscheider Kunst. Nachdem sie vor

• WIRsein

Begeisterung. Endlich doch noch etwas Visionäres gefunden an diesem Tag, der laut aktueller Ortszeit eigentlich schon vorbei ist, aber tatsächlich wäre es vor zwanzig Jahren erst in einer Stunde ernst geworden, deshalb geht das noch. Timothy Garton Ash schreibt für den Guardian, was 1989 zu einer Zeitenwende macht, bezieht es voll auf Europa und die Welt und hat eine schöne Anekdote für eine schöne Sache: Freiheit. Das hört sich dann so an:

So, 20 years on, the question before us Europeans is this: can we recapture some of the strategic boldness and historical imagination of 1989? Or shall we now leave it to others to shape the world, while we snuggle down, Hobbit-like, in our national holes, and pretend there are no giants yomping overhead?


• MUSIKsein

Ist das nun eine Ska-, eine Jazz- oder doch eine Salsaband? Aber was zum Teufel machen dann die Techno- und die Heavy-Metal-Einlage? Ja, richtig, sie alle schicken Schubladen an einen besseren Ort, denn im Gogol gestern bei Markscheider Kunst wären sie bestimmt gar nicht richtig gewesen. Dafür schon das Publikum zu vielfältig: Vom Botschaftsmitarbeiter bis zur etwa Achtjährigen, die auf der Bühne mittanzte. Und weil sie das so toll machte, freuten sich alle und ihr wurden einige Lieder gewidmet.

Von selbigen gab es auch viele neue, die nun etwas rockiger waren – um dann doch noch mal in Schubladen zu sprechen. Gefreut hat es alle und auch, dass der Sound im Gogol ganz hervorragend war, was bei einer Band von zehn Menschen ja nicht unbedingt einfach ist.

Und weil das alles so toll war, hat man auch gar nicht über das Wetter in St. Petersburg geredet. Aber damit kann man bestimmt auch nur Deutsche zum Lachen bringen. Man sagt ja, die redeten gern darüber.

Nächsten Freitag wird es eine schwere Entscheidung geben. Im Ikra spielen die allerbesten weißrussischen Bands bei einem Festival weißrussischer Musik, das mir von einem weißrussischen Freund aus Weißrussland empfohlen wurde. Und im Gogol rockt Sweta Kolibaba mit ihrer Band, die halb aus Weißrussland, halb aus St. Petersburg ist. Vielleicht ist die Herkunft aber auch gar nicht wichtig, weil es ja auch nur eine Schublade ist. Aber was soll man zu einem Festival weißrussischer Musik auch sagen? Das ist nun mal nicht aus St. Petersburg. Aber wir sind ja hier in Moskau.

Hab ich schonmal gesagt, dass der mitunter krasse Rassismus hier mich ankotzt? Deshalb ist es manchmal komisch, zu schreiben, auf welches tolle Konzert man geht oder gehen kann. Auch wenn sie wirklich toll sind.




MUSIKseinAlso das ist jetzt nicht der Insidertip. Aber die Musik und vor allem die Konzerte sind trotzdem toll, deshalb hier noch einmal: Markscheider Kunst. Nachdem sie vor langer, langer Weile in Dresden Grüße aus dem sonnigen Sankt Petersburg bestellten, sind sie heute in Moskau im Gogol. (Ja, es gibt hier auch Klubs die so heißen, das ist aber nicht übertrieben patriotisch, sondern eigentlich ganz schön.) Spannend wird, was sie sagen, denn schließlich gab es auch hier heute den ersten Schnee. (War aber lächerlich wenig, zählt nicht, war einfach nur kalt, das ist alles.)

Für alle, die wider Erwarten da heute nicht hinkönnen, gibt es ja zum Glück das Internet. Wenn Interesse besteht, kann ich in Zukunft auch mehr russische Musikgruppen und Musiker vorstellen, dann auch mit mehr Undergroundfaktor oder auch mal weniger. Inspiriert wurde ich da, wie so oft, durch die Wahlberlinerin, die ja gerade Wahlzürcherin istund schöne schweizer Musik anpreist.