Weisheiten

10Mai08

• MUSIKsein

Ausgewählte Worte von ausgewählten Künstlern zum Thema: Vorbei. (Ohne “Love will tear us apart”)

1. “Having been fucked, is no excuse for being fucked up”, Kimya Dawson

2. “Away from my window, leave at your own chosen speed, I am not the one you want babe, I am not the one you need”, Bob Dylan

3. “Siehst du, wie sich die Wolken zusammendrängen, als ob es sie da oben alleine friert. Ich habe nicht darum gebeten, dich wieder zu sehen. Wer zuerst von weinenden Wolken spricht, verliert” Element of crime

4. “Vielleicht ist jemand gestorben, vielleicht ist er dreißig geworden. Doch auf einmal ist es klar, ich hab sie lang nicht mehr, hab sie lang nicht mehr gesehen bei ihm”, Kettcar

5. “I could be serious, but I am just kidding around; i could do anything, anything but sticking around: Love ist hell”, Ryan Adams

6. “Ick sach Tachschen - und du drehst da nich ma mehr um; ick frage dir, wat denn - und du bleibst stumm”, Icke und Er

7. “Vielleicht bist du jetzt schon unter der S-Bahn-Brücke, den halben Weg weg von mir; vielleicht hältst du inne, weil dir klar wird, dass wir nicht mehr zusammen sind [...] Wir haben es einfühlsam abgewickelt, vielleicht ein bisschen eifrig, vielleicht ein bisschen bemüht - wirklich kein toller Abschied”, Bernd Begemann

• WIRsein

Dass es nun beim Supermarkt meines Vertrauens Deutschland-Microfaser-Bettwäsche gibt, das will nicht so recht in meinen Kopf. Denn wenn ich mal weiterdenke, heißt das: Jeden Abend zu Deutschland ins Bett, Deutschland ist bei einem wenn man wehrlos ist und schläft, beim Sex, beim Frühstück am morgen danach; Deutschland schmiegt sich beim lesen an und wird regelmäßig gewaschen. Aber womöglich gibt es Menschen, die brauchen das. Alles ganz einfach, wo Nachfrage ist, da kommt auch Angebot. Aber wo kommt das her?

Das Angebot bietet der dänische Discounter gern. Der kauft einfach im großen Stil den Deutschlandmerchandise über einen Zwischenhändler; der liefert dann, was vermutlich in Südostasien genäht wurde; und mit etwas Glück landen die ausgeblichenen Deutschlandlaken in ferner Zukunft mal in der Altkleidersammlung und sind wenig später auf dem Weg nach Afrika.

Angebot ist also einfach. Nur die Nachfrage, die bereitet mir Kopfzerbrechen.

Warum Bettwäsche in Nationalfarben? Ist das der neue, gesunde Patriotismus, der jetzt kurz vor der Fußball-EM - unsere Jungs und Stolz und wir sind wieder wer - wieder mal hervorgekramt wird? Soll das der nächstlogische Schritt zu “Schwarz-Rot-Geil”, zu Deutschlandschminke und einem entspannten Umgang mit uns und der passenden Vergangenheit sein? Wenn das so ist, dann muss ich um Entschuldigung bitten, denn ich verstehe nicht.

Ist das alles nur Folklore oder ernst gemeint? Und wenn es ernst gemeint, was bringt das? Ein bisschen Stolz muss sein?

Antworten und Diskussion erbeten.

P.S. Neben der Bettwäsche bietet der dänische Discounter auch eine kleine Deutschlandfahne im Set mit 300 Gramm Toblerone an. Auf der Packung der Toblerone steht: “Die Schweizer Schokolade.”

• ALLTAGsein • Endlich Sommer. Wurde auch Zeit.

Foto aufgenommen im August 2007 im Radialsystem, Berlin

• MUSIKseinWer einen Song namens “The Band stopped playing” als letzte Zugabe spielt, der hat Sinn für Dramatik. Wer ein Konzert mit einem so wunderbaren Song wie “Creditcards and Trains” als ersten Song spielt, der gewinnt die Menge sofort. Sir Simon Battle haben am Donnerstag beides getan. Dazu gab es Augenzwinkern, tolle Melodien und eine ganze Nacht ein gutes Gefühl.

Natürlich sollte ich es ankündigen, wenn tolle Konzerte sind, liebe Dresdner Leser. Aber das ist nun die Empfehlung für den Rest der Republik: Wenn diese Band in die Stadt kommt, dann hingehen. Das ist Pop, aber so wunderbar, dass es nicht kitscht, dass man auch denken darf - und auch lachen. Dann, wenn der Sänger Simon seinen Charme spielen lässt, sich über Rockstarrituale lustig macht und trotz merkbarer Schüchternheit besser unterhält als viele andere das können.

Und die Musik dazu ist so schön, dass der Keyboarderin gelegentlich fast die Tränen kommen.

P.S. Das dazugehörige Album “Battle” ist uneingeschränkt zu empfehlen. Ein ganz hervorragender Erstling

ALLTAGseinIch habe mir gerade eine Duplo-Zehner-Packung gekauft. Ich hatte keine Lust auf Schokolade, noch fühlte ich mich zur längsten Praline der Welt besonders hingezogen, es war einfach passiert als ich durch die Süßwarenabteilung des Supermarkts meines Vertrauens schlenderte. Aber es gab doch so etwas wie einen Grund: In jedem der Riegel ist ein Sticker der Fußballnationalmannschaft. Zum sammeln und so weiter. Continue reading ‘Ich hatte einen Nostalgieanfall.’

ALLTAGsein “Ist das jetzt cool oder einfach nur hirnlos?”, fragt mich die Frau und redet davon, dass ich freihändig mit dem Fahrrad gefahren bin. An den Rand eines Abgrundes argumentiert überlege ich noch - während sie schon entscheidet: “Ihr Hirn muss ja schon lange weg sein.” Ich bin noch immer etwas perplex und gehe zur Gegenfrage über: Es sei ja schön, dass sie das entscheiden könne, aber wer hat ihr denn die Kompetenz gegeben? Sie antwortet nicht. Ich gewinne Land.

Gerade sind wir beide die Nossener Brücke hinunter gefahren und stehen nun an einer roten Ampel. Normalerweise warte ich hier in aller Ruhe und überlege, ob ich noch etwas einkaufe, bevor ich nach Hause komme. Heute muss ich mich stattdessen bevormunden lassen und, ehrlich gesagt, hat mir das noch nie gefallen. Aber von einer Frau, die mich nicht kennt und scheinbar ein übertriebenes Sicherheitsbedürfnis und wenig Vertrauen in junge Radfahrer hat, von so jemandem habe ich mich bisher weder bevormunden, noch beleidigen lassen. Deswegen kam es noch zu einem kleinen Austausch.

Ich sage, dass es meine Freiheit sei, zu fahren, wie ich will. Sie sagt, dass ich das im Straßenverkehr nicht dürfe. Gefahr und so. Ich finde, ich darf das. Schon seit Jahren mache ich das und deswegen wurde ich noch nie von einem Polizisten angehalten - obwohl das sonst oft geschehen ist - und ich bin auch noch nie hingefallen. Aus dem Fenster gelehnt würde ich behaupten, ich kann das. Aber damit komme ich ihr nicht.

Während sie neben mir zur nächsten Ampel radelt, habe ich demonstrativ beide Hände am Lenker und frage, ob es denn schön sei, Spießer zu sein und grundsätzlich alles besser zu wissen. “Ja”, sagt sie und biegt links ab.