• ALLTAGsein Vor ein paar Tagen kündigte ich groß meinen Anti-Krisen-Nebenjob an. Nun, lange hat er nicht gegen die Krise geholfen. Dafür wurde ich aber auch nicht zum Diktatoren.

Nun, nachdem das alles so aufregend klang, war es das nur ein bisschen. Mit einem dicken Bus wurden die anderen beiden deutschen Delinquenten und ich von der Metro abgeholt und in ein richtig professionelles Tonstudio gebracht. Nichts da abgefahrene Studentenfilmproduktion, stattdessen russischer Fernsehfilm. Soll am 9. Mai ausgestrahlt werden, Tag des Sieges, und wird bestimmt total, nun, interessant. Eben ein russischer Fernsehfilm über den zweiten Weltkrieg, der am Tag des Sieges ausgestrahlt wird.

Die Schwierigkeiten bei den Aufnahmearbeiten hat Arvid eigentlich sehr treffend beschrieben. Es ist eben nicht einfach, ernst zu bleiben, wenn drei Deutsche, die nicht beim Bund waren, mit Krieg wenig am Hut haben und länger in Russland leben, Nazis synchronisieren sollen. Klappt nur halbwegs gut. Dann rutscht auch ein “Der Empfang ist fantastisch” heraus – wobei in Russland jeder den Satz “Das ist fantastisch!” aus irgendeinem schlechten deutschen Porno kennt. Nach vier Stunden “Arbeit” haben wir dann auch nur den reduzierten Satz von 500 Rubel bekommen (ca. 11 Euro), weil wir ja auch nur kleine Schergen und nicht Hitler gesprochen haben. Leistungsgerechte Bezahlung in der Krise halt.

Die 500 Rubel haben wir noch vor betreten der Metro auf den Kopf gehauen – für Essen und Bier.


• ALLTAGsein Hier in Russland reden alle von Finanzkrise, ich hingegen melde mich nicht, nun ja doch – denn ich habe einen neuen Nebenjob.

Ist ja gut, nun bin ich schon über einen Monat in Moskau und habe nichts von mir hören lassen. Aber nun – und auch noch mit guten Nachrichten: Neben meinem, leider unbezahlten, Praktikum bei einer bekannten deutschen Kultureinrichtung, habe ich einen Nebenjob bekommen. Vorraussetzungen waren: Mann, kann deutsch. 1500 Rubel bar auf die Kralle.

Alles was ich dafür tun muss, ist bei einer Studentenfilmproduktion eine Sprecherrolle einnehmen. Der Name wird nicht verraten, aber sagen wir es mal so: Bekannter Diktator des 20. Jahrhundert, in Österreich geboren.

Zum Glück kann ich das R rollen.


ALLTAGsein

Zu großem berufen, zu nichts in der Lage.


• MUSIKsein

Heute haben wir eine Vision, morgen sollten wir Spaß haben – mit ganz vielen Models. Und übermorgen? Ich schlage ja vor, dass wir einen Klassiker wiederbeleben: Wir holen der Königin ihr Kind.

Inspiriert von MGMT (auch sonst toll):


• WIRsein
Gibt es in diesen Tagen eine Metapher, die stärker nervt als die vom abgedrehten Gashahn? Vielleicht. Wichtig ist das Thema trotzdem und die Wahlberlinerin legte mir nah, Gedanken dazu zu offenbaren. Gern doch.

Wenn es nur einfacher wäre: Zwar verfolge ich das Thema über den Osteuropa-RSS-Feed meines Vertrauens, aber  Klares sagen kann keiner. Zurzeit rätseln alle rum, wie lange es noch dauert und ob es auch Europa erwischt. Und wer der Böse ist.

Wahrscheinlich beide. Die einen, weil sie mehr Geld wollen – mehr als sie noch im Dezember gefordert haben; die anderen, weil sie Verträge über die Durchlieferung für ungültig erklärt haben, weil sie denken, dass sich die Rechtslage geändert hat, wenn sie selbst nichts mehr kriegen.
Russland versucht sein Bestes, die Ukraine zu destabilisieren (zum hören), dabei aber nicht zu offensichtlich zu sein. Es ist wohl neben einer Machtdemonstration auch der Versuch, einige in der EU von alternativen Transportwegen zu überzeugen - und damit die EU als ganze zu spalten. Die Ukraine versucht sich in Zukunft nicht dumm und dusselig zu zahlen, erntet aber nicht uneingeschränktes Verständnis dafür, dass sie ihre Rechnungen nicht zahlt. Auch wenn sie behauptet, dass sie das getan hat. Der ARD-Korrespondent Stefan Stuflik hält dagegen die Ukraine für die Eskalation verantwortlich – weil sie die EU auf sich aufmerksam machen will. (Das bedeutet Geld.)

Es scheint, dass am Ende alle verlieren. Die Ukraine an Zuspruch im Westen, Russland an Vertrauen des Westens in die Sicherheit der Energielieferungen, die EU, weil sie in einen Streit hereingezogen wird – obwohl sie nur Gas will.


• WIRseinDas Boulevard-Portal des Vertrauens hat den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen: Es ist kalt, sibirisch kalt. Moment. Sibirisch kalt – wird es dann im Sommer afrikanisch warm zu ostasiatischen Regenfällen, sodass die arabischen Wüstenstürme niemanden mehr wegwehen können. Ist ja dann keiner mehr da. Und warum lässt der sibirische Frost nur Deutsche bibbern? Sind wir das einzige Land, in dem es gerade kalt ist – und wohnen hier nur Deutsche?

Grober Unfug, die Überschrift: “Sibirischer Frost lässt Deutsche bibbern.” Einmal Stereotyp, einmal abgrenzend, dafür aber begrenzt. Große Schreibkunst, da bleibt nicht mehr viel zu sagen – außer:

Höchste Zeit, einen Schneemann zu bauen. Der strotzt dann der sibirischen Kälte. Starker Typ. Angst muss er nur haben, vor dem was noch kommt. Aber der ist so ein Draufgänger, der denkt nicht an morgen; und er lächelt, wenn er ein paar Steine und eine Möhre bekommt. Klar, er ist durchschaubar – aber wenigstens nicht blöd. Damit hat er der Überschrift einiges vorraus.