Freitagsrede (3)

Endlich kann Normalität einkehren in Pristina, Kosovo. (Foto aus dem März 2007)
• WELTsein • Endlich, das Kosovo ist unabhängig. Letzten Sonntag vollzog sich, was fast zehn Jahre eine Frage der Zeit war. Dabei blieb es im Land weitgehend friedlich, von gewalttätigen Ausschreitungen in Mitrovica abgesehen. In Serbien äußerte sich der Unmut, in einer (staatlich geförderten) Demonstration, bei der gestern die amerikanische Botschaft gestürmt und in ihr ein Feuer gelegt wurde, bei dem ein Mensch verbrannte. Weiterhin gab es Ausschreitungen an der Grenze.
Trotz diesem Ausbruch der Gewalt und der Mobilisierung der Massen in Serbien, ist es aber ein sehr erfreuliches Ereignis. Die Region befand sich über Jahre hinweg in der Schwebe. Die Serben wollten das Kosovo nicht aufgeben, faktisch war es aber von der UN verwaltet. Ein unglaublicher finanzieller Aufwand wurde seitens der internationalen Gemeinschaft betrieben, die Arbeitslosigkeit ist aber noch immer immens hoch, die organisierte Kriminalität ist stark. Die Spaltung der Volksgruppen, die Angst voreinander, die Ablehnung und das Scheitern von Verhandlungen begleiteten die Menschen die ganze Zeit. Aussicht auf Änderung gab es keine.
Die gibt es jetzt. Trotz der Ablehnung Serbiens (und Russlands) besteht nun die Chance, dass das Land wirklich aufgebaut werden kann, dass die Volksgruppen sich zumindest akzeptieren und miteinander reden können. Es gibt viele Unwägbarkeiten und viele Probleme. Es wird noch lange dauern, bis Serbien und Kosovo miteinander verhandeln können oder bis das Kosovo mehr ist als ein EU-Protektorat. Aber es kann gelingen. Es liegt an allen beteiligten Ländern, die die lange Vorbereitung nun in Politik umsetzen müssen und an den Menschen, sie zu akzeptieren.
Das sollte man nicht vergessen, auch wenn die amerikanische Botschaft brennt: Die Unabhängigkeit des Kosovo ist eine Chance, dass es auf lange Sicht Frieden geben kann.
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Tags: Balkan, Kosovo, Serbien, Unabhängigkeit


Name: Friedhelm Weinberg


Ein etwas tendenziöser Bericht. Seriöser Journalismus wird hingegen auf http://elaste.wordpress.com/ geboten!