WIRsein Es ist das Thema, mit dem man Wahlen nicht gewinnen kann: Jugendkriminalität. Und es hat mich die letzten beiden Tage beschäftigt, denn ich war als Reporter im Gerichtssaal. Einmal Körperverletzung mit Raub, dazu Diebstahl; einmal Nötigung in zwei Fällen. Beide Male eine beachtliche kriminelle Kariere von Einbruch, über Sachbeschädigung, bis Körperverletzung. Beide Angeklagten - beide männlich - wollten ihr Leben wieder “auf die Reihe bekommen”, durch Anti-Agressionstraining, Abendschule und Ein-Euro-Job.

Sowohl Fälle als auch Täter waren sehr unterschiedlich, aber sie haben mir aufgezeigt, was an meiner Wahrnehmung völlig vorüber ging: Dass diese “Intensivtäter” kein Schreckgespenst sind. Und dass sie das nicht machen, weil es ihnen so viel Spaß macht. Ich will keineswegs beschönigen, was getan wurde. In beiden Fällen waren es Situationen, die man nicht erklären kann durch ein Schema XY, beide Fälle haben sich aus einer Situation heraus ergeben und in beiden Fällen waren Drogen und/oder Alkohol im Spiel. Deshalb erscheint mir eine Verschärfung des Jugendstrafrechts wenig sinnvoll. Das hätte nichts geändert. Es war aber auch auffällig, wie schlecht sich die Zeugen erinnern konnten - eine Tat wurde Silvester 2006 begangen, die andere September 2007. Eine erhebliche Verzögerung. Nicht sinnvoll.

Natürlich sind zwei Fälle nicht repräsentativ. Aber was mir auch aufgefallen ist, dass die Richter mit sehr viel Augenmaß, sehr geschickt Fragen gestellt und Urteile gefällt haben. Mein Vertrauen in die Justiz wurde gestärkt.



2 Responses to “Freitagsrede (5)”  

  1. 1 Andrea

    1. Ich wäre auch gern zu diesen Verhandlungen mitgegangen. Nächstes Mal sagst du gefälligst Bescheid.
    2. Finde ich, dass du Recht hast in Punkto Verschärfung der Jugendstrafrechts. Meines Erachtens schrecken die Strafen oft eh nicht ab, was man ja bei Wiederholungstätern sehr gut sehen kann und gerade bei Jugendlichen sollte immer der Weg zurück in die “Normalität” gewährleistet werden.
    Aber am ehesten muss man mal auf die Ursachen für Jugendkriminalität schauen. Ich hab das Gefühl, ich kann’s also nicht statistisch belegen, aber die meisten Straftaten werden ja wohl begangen, weil die Täter aus einem verkorksten Umfeld kommen. Da sollte angesetzt werden und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist.

  2. 2 berghaus

    Zu 1.) Keine Sorge, ich hätte wohl bescheid gesagt, wenn ich mehr als einen Tag vorher gewusst hätte, dass ich gehe. War eben eher kurzfirstig, so ist das als Praktikant.

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