In den Raum geworfen:
22Mär08
• MONATSTHEMAsein • Ich mach jetzt mal nen Fass auf. Eine Kopie ist ein Abzug von einem Original, das Original ist dabei natürlich immer besser, weil ohne Qualitätsverlust kann man eigentlich nicht kopieren. Mindestens Originalität geht drauf. (Das klingt wie ein schlechtes Wortspiel, ist aber mein voller Ernst.)
So ist das auch mit Menschen, da werden mir viele zustimmen. Und jetzt kommt das versprochene Fass:
Warum ist vielen dann Gleichheit so wichtig?
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Tags: Diskussion, Gleichheit, Leben, Menschen


Name: Friedhelm Weinberg


ah! das verstehe ich auch immer nicht…
Man muss Gleichheit differenziert sehen. Also bezüglich des Staats, beispielsweise: Gleichheit vor dem Gesetz, Chancengleichheit, usw. Aber: Das Individum steht ja dennoch im Mittelpunkt. Jedes Mensch kann, solange er niemanden verletzt, sich frei ausleben. Ich hoffe, das Fass hat keinen doppelten Boden.
Identifikation!!!
Wie darf ich “Identifikation” verstehen?
Und doppelte Böden sind mir ganz doll fremd. Und bei Gesetzen geht es doch, da soll gleiches nicht ungleich, aber auch ungleiches nicht gleich behandelt werden. Das trifft es sehr gut, finde ich. Aber das ist nicht das, wofür Gleichheit im “Alltag” gebraucht wird. Oder doch?
Ich finde Gleichheit bedeutet vor allem Gleichbehandelung. Von Frauen und Männern, von People of Color und Weißen, von Kindern und Erwachsenen usw.
Wie wärs denn mal mit einem konkreten Beispiel?
Wen meinst du denn mit den “vielen”?
Ich versuche trotz der späten Stunde (02.41 Uhr) zu verstehen, was du meinst.
Aber vielleicht ist das ja so: Im Grunde ist so eine Kopie ja nicht viel schlechter als das Original. Also es gibt dann doch keine gravierenden Unterschiede. Die sind in der Regel eher vernachlässigbar gering. Es gibt ja Kopien, die kann man vom Original nicht unterscheiden, weil sie so gut sind.
Und so ist das wahrscheinlich auch mit den Menschen und der Gleichheit. Unterschiede gibt es immer, aber die sind meistens so klein, das man sie nicht beachten braucht und man daher alle gleich behandeln könnte.
Was mich etwas stört, ist der Vergleich von Originalen/Kopien und Menschen.
Da haben wir das nämlich schon. Das kann man gar nicht so gleich behandeln, weil es gar nichts Gleiches ist. Menschen sind ja nicht einfach Kopien von anderen Menschen.
Jeder will sich doch mit jemanden identifizieren können. Könntest du damit leben, wenn du der Einzige mit deinem Musikgeschmack, deiner Kleidung und deiner Lebensphilosophie wärst?
Wir leben doch in unserem Umfeld auch oft mit Gleichgesinnten. Ok, das haben wir vielleicht nicht bewusst gewählt, aber wir bekommen dort eben Verständnis für die Dinge, die wir schätzen oder eben auch verfluchen…
Ich sehe das eher als ein Schnittmengending, nicht als Seelenverwandschaft. Dass man in seinem Umfeld auch immer mal wieder gleiche Interessen hat, trotzdem darf man doch auch unterschiedliche Sachen machen. Schaltet sich doch niemand mit seinen Freunden gleich.
Und auch wenn Kopien sehr gut sind - ist denn etwas anderes, was neues nicht trotzdem toller?
Das Beispiel von Elaste zeigt, dass Kopien auch problemlos an die Qualität des Originals heranreichen können.
Ich hoffe, das war ironisch gemeint.
Es kommt wohl auf die Form von Gleichheit an. Politische? Soziale? Was ist gemeint? Ein Begriff der damit außerdem einhergeht ist Freiheit. Ich wünsche mir größtmögliche politische Gleichheit bzw. politische Partizipation und soziale Gerechtigkeit und individuelle Freiheit. Leider verschwinden meine Schaumschlägereien in einer kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft, die unter individueller Freiheit ein kollektives, unkritisches und problemfreies Wohlstandsbewusstsein versteht und alles andersartige an den gesellschaftlichen Rand drängt - mit einem ordentlichen Rechtsruck versehen; eine Entindividualisiserung, -politisierung. Soziale Gerechtigkeit innerhalb der Demokratie wird durch den Leistungsgerechtigkeitswettlauf eines globalen Kapitalismus ersetzt, einer neuen Unmoral Bahn gebrochen, die Menschlichkeit arg ins Hintertreffen geraten lässt. Und Gerechtigkeit? Es gibt eine Gerechtigkeit der Einseitigkeit der Herrschenden Verhältnisse, eine Ungleichheit und Ungerechtigkeit und demzufolge zunehmend Unfreiheit.
Das “Original” - was auch immer darunter verstanden wird - ist häufig die Nostalgie vergangene Verhältnisse, den ein Original wie die Athenische Demokratie ist etwas vergangenes, als besser anzusehen. Ein Original zu verstehen, bedeuete aber sich verglichen in heutigen Verhältnissen erkennen und verstehen zu lernen. Darin besteht die Leistung eines Originals.
Was gemeint ist, das steht zur Diskussion.
Genauso würde ich nachfragen wollen, warum der Begriff der Freiheit damit einhergeht? Und wie? Was ist politische Gleichheit? (Ich will den Begriff einfach nicht missverstehen)
Die andere Entwicklung würde ich so anzweifeln. Es ist nämlich definitiv keine Wohlstandsgesellschaft, es ist das Problem, dass die Gesellschaft auseinanderfällt. Das hat mit Verteilungsproblemen zu tun, mit einer problematischen Verteilung zwischen Arm und Reich, der fehlende Stimme derjenigen, die es betrifft (und der Abwesenheit vernünftiger Antworten). Die Schuld liegt nicht im globalen Kapitalismus, sie liegt in der Ohnmacht mit der Situation zurechtzukommen. Und dafür müsste man, meines Erachtens nicht das gesamte politische System auf den Kopf stellen. (Ich habe keinen ausgearbeiteten 10-Punkte-Plan, also bitte nicht nachfragen) Ich sehe es so: Die große wirtschaftliche Verflechtung ist eine unglaubliche Chance, die es zu nutzen gilt.
Ach und zu Elaste noch: Das ist ja keine Kopie, das ist ja Kunst, was ihr macht. Was ganz eigenes.