ALLTAGseinIch habe mir gerade eine Duplo-Zehner-Packung gekauft. Ich hatte keine Lust auf Schokolade, noch fühlte ich mich zur längsten Praline der Welt besonders hingezogen, es war einfach passiert als ich durch die Süßwarenabteilung des Supermarkts meines Vertrauens schlenderte. Aber es gab doch so etwas wie einen Grund: In jedem der Riegel ist ein Sticker der Fußballnationalmannschaft. Zum sammeln und so weiter.

Um das klarzustellen: Eigentlich mag ich keinen Fußball. Mehr. Das geht so weit, dass ich während der WM 06 auf keiner Fanmeile war. Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft habe ich damals am Lagerfeuer in den polnischen Masuren erfahren. Wenn mich jemand fragen würde, wer der beste deutsche Fußballer ist, könnte ich zwar noch ganz routiniert Christian Wörns sagen. Aber den Witz konnte man auch schon vor fünf Jahren bringen. Oder eigentlich seine ganze Karriere.

Kurz: Eigentlich gibt es keinen Grund, mir diese Schokoriegel zu kaufen. Trotzdem habe ich es getan. Ich hatte einen Nostalgieanfall. Früher habe ich mit Begeisterung Fußballkarten gesammelt und mit Inbrunst ein Stickeralbum geführt. Aber das war auch das einzige Hobby, das ich mir als Grundschüler auf dem Dorf vorstellen konnte. Neben echtem bolzen natürlich. Das hat sich natürlich geändert: als ich begann in einer Stadt zur Schule zu gehen, in der Hauptstadt Zivi zu machen und nun in Dresden zu studieren.

Immer gab es etwas, das ich mit Hingabe betreiben konnte. Und wenn ich ehrlich bin, eine zeitlang waren das sogar Mathe und Physik. Keine Sorge, es gab auch coolere Hobbys, wie eine Band oder “was mit Medien”. Einiges mache ich noch immer, aber selten rekapituliere ich, was ich all die Jahre so gemacht habe. Völlig in die Gegenwart, bestenfalls in die Zukunft schauend, sehe ich meine Vergangenheit als abgeschlossen an - und ich frage mich in diesem Moment, ob das schade ist. Ich kann auf viel Schönes, Spannendes, Alltägliches zurückblicken, aber mache das nie und wenn dann nach dem Motto, “da ging es dir besser.” Aber das hat dann immer mit Gefühlen  und mit der Gegenwart zu tun.

Die Schokoriegel haben mich anders zurückblicken lassen. Ich war wieder im Kopf eines Neunjährigen: Kurz vor dem Sprung in die Nationalmannschaft.


2 Responses to “Ich hatte einen Nostalgieanfall.”  

  1. 1 Michaela

    Ich habe sogar noch meine gut gefüllten Stickeralben aus den Jahren 1995-97. Besonders die damaligen Top-Mannschaften Borussia Dortmund und Bayern München (genau diese Reihenfolge!) waren vollzählig. Achja, statt Christian Wörns sei dir Mario Gomez (Vfb Stuttgart) als Antwort auf die Frage nach einem der besten deutschen Fußballer ans Herz gelegt. :)

  2. 2 Kevin

    Elaste empfiehlt den klugen Kevin Kuranyi

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