WIRseinDie Stadt Dresden sucht einen neuen Oberbürgermeister und diesmal soll es einer werden, der nicht nach ein paar Jahren in den Knast muss. Die Kandidaten ringen seit Wochen um Stimmen, die CDU scheint übermächtig (laut letzter repräsentativer Umfrage der Sächsischen Zeitung bei 53%) – doch Kandidatin Helma Orosz lässt sich nicht so oft blicken, wie die Jusos fleissig zählen. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um die Unterstützung bekannter Bundespolitiker, die fleissig nach Dresden pendeln.

Gestern war es Oskar Lafontaine, der dem sachlich-technokratischen Linke-Kandidaten Klaus Sühl zeigte, was ein Populist ist. Mit Zahlen schmiss er um sich, die er alle beweisen kann (deren Anordnung trotzdem erstaunlich willkürlich war); er schalt die Journaille, die nur im Auftrag des Finanzbürgertums berichte (und deshalb auf die Linke ganz böse sei) und er sagte, dass es Lösungen gebe. „So einfach ist das“, untermalte er seine Argumentation, dass man nur das Geld bei den Reichen einziehen müsse, um es den Armen zu geben. Nunja, es war spannend zu sehen, wie der viel besungene mutmaßliche Volksverführer sein Handwerk ausübt. Rhetorisch gut, argumentativ schwach, aber bissig und zielgenau.

Ob Lafontaine jedoch mit seiner Vorstellung Klaus Sühl geholfen hat, ist fraglich. Einige die sich vom kühlen Charme des OB-Kandidaten etwas versprachen, werden sich wohl zweimal überlegen, ob sie Lafontaine die Munition für den Bund geben, die er sich von einem Wahlsieg in Dresden erhofft.

Doch es gibt weitere Termine, die der Meinungsbildung dienen (und ein bisschen dem Bedürfnis den „großen“ Politikern zu begegnen):

Am 30.5. ab 18 Uhr wird CDU-Kandidatin Helma Orosz (derzeit noch Sachsens Sozialministerin) mit Ole von Beust in ihrer Wählbar über „Nachhaltigkeit einer Großstadt“ reden. Was der Hamburger OB mit Dresden zu tun hat, wird sich hoffentlich offenbaren. Am 2.6. wird sie sich ab 19 Uhr mit Friedrich Merz darüber unterhalten, „wie Deutschland wieder an die Spitze kommt.“ Was eine OB-Wahl mit Sozialer Marktwirtschaft zu tun hat, werden sie bestimmt-vielleicht-warumauch klären.

Am 4.6. wird SPD-Kandidat Peter Lames (Richter am Oberlandesgericht) mit Franz Müntefering zu „Entschieden wird auf´m Platz“ zusammen kommen. Ab 15 Uhr an der Altmarktgalerie gibt es ein Programm mit „Talk, Sonne, Imbiss, Musik und Kinderbetreuung“ – was auch immer das genau sein mag und was Franz Müntefering damit zu tun hat, gilt es herauszufinden.

Ebenfalls am 4.6., kommt dann jemand ins Kongresszentrum, von dem man gar nicht wusste, dass er Doktor ist. Aber für Seriösität im Wahlkampf wird Guido Westerwelle alles tun, um dem FDP-Kandidaten Dirk Hilbert (Wirtschaftsbürgermeister) (der übrigens lange die mengenmäßigen Plakatcharts angeführt hat, nun aber von Helma Orosz überholt worden sein dürfte). Ein Tip, worüber die beiden reden werden: Mittelstand fördern und so. Die FDP nennt das: „Wahlkampfendspurt“.
Einen Tag später schickt die Linke ihr derzeit stark angeschlagenes Zugpferd Gregor Gysi ins Rennen, ab 16 Uhr an der Prager Straße zu einer „Großveranstaltung“. Mal sehen, ob es da um ein sozialeres Dresden geht, wie es Klaus Sühl (ehemaliger Staatssekretär) sich wünscht – oder ob Gregor Gysi sich für seine Vergangenheit rechtfertigen muss. Oder beides.

Der Vollständigkeit halber: Die Grünen haben ihr Geschoss Jürgen Trittin bereits verbraten, es soll recht langweilig gewesen sein. Eva Jähnigen (Anwältin und Stadträtin) wirbt weiter für „Mehr Mut“.

Das soll jedoch niemanden daran hindern, zu einer der Veranstaltungen zu gehen oder zu mehreren oder anderen; zur OB-Wahl treten sehr verschiedene Kandidaten an und es lohnt sich, einen Blick auf die unterschiedlichen Programm zu werfen. Trotz der hohen Umfragewerte der CDU-Kandidatin kann es noch sehr gut in die Stichwahl gehen. Und dort ist dann wieder alles offen.



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