• WELTsein •
Nachdem mich Herr Lehmann ( „Mein Bruder“ von Sven Regener – lesenswert!) schon beim umsteigen in Riga verliess, machte ich mich bereit, jeglichen Resten Deutschlands im Kopf auf Wiedersehen zu sagen. Es gelang im Flugzeug, als ich mich mit der franzoesisch-belarussischen Oma mit einer Mischung aus Franzoesisch, Russisch und Fuchteln unterhielt. Aber schon am Flughafen holte mich meine westeuropaeische Unfaehigkeit ein, nicht aufzufallen und den richtigen Bus auf Anhieb zu finden. (Es sind 50 km vom Flughafen nach Minsk.)
Gluecklicherweise sind die Weissrussen unfassbar nett, der Busfahrer machte mir bedeutsam, dass ich bei ihm richtig bin und erklaerte mir im Bus, worauf ich achten muss: Taxifahrer sind boese, weissrussische Frauen sind mehr als nur gut und er drueckte das so schoen aus, dass eine seine Chauvi-Attacken so hinreissend fand, dass sie sich lautstark beschwerte. Zwischendurch erzaehlte er mir auch was ueber Autos und Deutschland und dass das gut ist, das Wort Trabant fiel, verstanden habe ich den Zusammenhang leider nicht. Aber er bliebt nett: An der Haltestelle fragte er dann noch alle Passanten, ob sie mir erklaeren koennten, wie ich zu meinem Wohnheim kaeme. Natascha uebernahm.
Natascha war im selben Bus, kam gerade aus Italien, wo sie auf Kinder aufgepasst hat; nur kam ihr Gepaeck nicht mit und sie konnte mich zum Prospekt Mascherova 80, Wohnheim Nummer 3 bringen. Dabei unterhielten wir uns angeregt auf Englisch-Russisch-Fuchteln, ihre Mutter zahlte sogar noch das Ticket fuer die Strassenbahn und die Gastfreundschaft umschwebte mich von fast allen Seiten.
Im Wohnheim machte ich dann Bekanntschaft mit dem Diensthabenden, der mir Schluessel und viele Tipps mitgab, leider habe ich nur wenige verstanden. In den folgenden Tagen haben wir durch seine lustige Art aber wohl sowas wie Freundschaft geschlossen. Er war auch schon mal in Deutschland, zu was genau gilt es noch herauszufinden.
Das Wohnheim ist besser als erwartet. Wir sind nur zu zweit auf den Zimmern, bisher hat sich erst eine Kakerlake blicken lassen, wir haben tolle Kuehlschraenke, auf der Etage einen dicken Balkon und jetzt erstmal zehn Tage kaltes Wasser – Bauarbeiten. Eindruecke zu Minsk folgen, aber kurz gegen alle Vorurteile: Die Polizei ist nicht omnipraesent, die Platten sind nicht ueberall und bisher ist es nicht nur interessant, sondern auch schoen.
Filed under: freithema | 3 Comments
Tags: Leben, Menschen, Minsk, Reise, Weissrussland


Name: Friedhelm Weinberg


Ihr habt gleich mehrere Kühlschränke?
Warum und wie lange bist du eigentlich in Minsk?
Noch eine Woche werde ich an der hiesigen Linguistischen Uni Russisch lernen. Macht Spass.