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Nachdem die Verkaeuferin am Minsker Bahnhof lange genug provoziert hatte, aenderte ich meine Plaene und kaufte ein Ticket nach Odessa, von dort bin ich mittlerweile weiter nach Sewastopol auf die Krim gefahren. Nun, wie sich das gehoert, hat Odessa Spuren hinterlassen. Und zwar folgende.

Der, der mir entgegenkommt hat das Gesicht voller langer, ziemlich ekliger Narben. Die wurden halbwegs behandelt, wie es scheint, aber sie werden wohl bleiben und er wird noch lange auf der Strasse wohnen. So blickt er zumindest.

Szenenwechsel: Der dicke BMW parkt vor dem stuckgesegneten Haus – „Juwelier-Supermarkt“ steht ueber dem Eingang.

Die beiden Szenen liegen etwa zehn Fussminuten auseinander und sind nur zwei von vielen, die die selbe Geschichte erzaehlen: Odessa ist krass. Reich und arm, saniert und einsturzgefaehrdet, neu kaufen und reparieren, Faelschermarkt oder Juwelierladen.

Auf dem Markt bekommt man alles, nur nichts echtes, es sei denn, es sind Lebensmittel. Handys, Tomaten, Kettensaegen, Fahrraeder, Messer, Spielzeug, Pistolen oder doch lieber Fisch? Die Verkaufsstaende reichen von Markthalle in sauber, bis LKW-Ladeflaeche in dreckig. Die Verkaeufer von unfreundlich bis elektronisch – Dobro Poschalowatch -, apathisch bis aufdringlich.

Ich kaufe nichts.

Aber ich habe meine Schuhe reparieren lassen, das wird Odessa auch gerechter. Auf jeden Laden, in dem man etwas kaufen kann, kommt einer, in dem man etwas reparieren lassen kann. Reparieren ist fuer die Armen, kaufen fuer die Reichen.



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