• WELTsein • Vom Krieg zur Literatur sind es zwei Stunden mit dem Bus. Von Jalta wurde mir in Sewastopol so stark abgeraten, dass ich gar nicht lange bleiben wollte, mir es dann aber doch wieder anders ueberlegt habe. Jalta und Sewastopol sind zwei Staedte, die in unterschiedlichen Laendern oder auf unterschiedlichen Halbinseln liegen sollten. Was fuer Sewastopol Kriege sind, sind fuer Jalta und Hursuf die Dichter (und Badegaste, ja).

Aber ich krieg den Uebergang hin – dank Besuch des Ortes der Jaltakonferenz, bei dem ich das erste mal auf nicht russisch-sprachige Touristen treffe. Von Kriegshelden geht es zum Krigesende. Fuer die amerikanischen Touristen trotzdem kein Grund auf Kommunikation anzuspringen.

Im Haus Tschechows erweisen sich dann die japanischen Kollegen keineswegs als gespraechiger, wohl aber als spendabler. Weil sie noch ein Konzert russischer Schnulzen hoeren wollen, darf ich auch mithoeren. Besplatno. Sonst ist das eine wirklich schoene Ausstellung, also wenn man mal zufaellig in Jalta ist und Zeit hat…

Es gibt neben der Ausstellung noch den Garten, den Tschechow selbst angelegt hat, und ein Dufttheater, das sich eine vormals vermutlich arbeistlose Psychologin ausgedacht hat. Das geht so: Weil Tschechow ja so geruchsempfindlich war, hat er die Kueche otgesourct und heute kann man da seine beruehmtesten Theaterstuecke riechen und zum zu Hause riechen kaufen. Das erklaert die nette Frau die schlechter Englisch als ich Russisch spreche, es aber trotzdem unbedingt in dieser Sprache durchziehen will. Sie begleitet ihren Vortrag mit einem leicht irren Laecheln und Rueckfaellen ins Russische. Die gerueche sind von ihr entworfen, weil sie als Psychologin ja weiss, wei wichtig das mit den Geruechen ist fuers Wohlbefinden. Kann sie wegen der Wirkung nur empfehlen, als fast unabhaengige Expertin.

Nach dem Vortrag unterhalten wir uns noch ein bisschen und da Deutsche auf der Krim wohl recht selten sidn, fragt sie mich direkt, ob ich denn fuer die NATO arbeite. Ich kann sie beruhigen, da ich ja nur Ferien mache. Und da mache ich mich auch gleich weiter gen Hursuf, wo sich Puschkin die Sonne auf den Bauch scheinen liess, Tschechow seine Frau um den Finger gewickelt hat und eine Festung steht, die toll sein soll.

Der Weg dorthin fuehrt mit der Marschrutka. Radiostation: „Nur Russische Musik“-Radio.

Auf Tschechows Datscha gibts nicht mehr als ein Gespraech mit dem Museumswaechter zu erleben – dafuer aber kein Klo. Bei Puschkin gibt es dann eine ziemlch dicke Huette, keinen Studentenrabatt und die unfreundlichsten Museumsmitarbeiter, die diese Welt je gesehen hat. In dem Haus hat Puschkin auf Einladung eines Generals „die schoensten Minuten meines Lebens“ verbracht, wie er gesagt haben soll. Dem Besucher wird das eher lieblos dargeboten.

Mein Bilderhaft hatte aber noch die Reste einer alten Festung versprochen. Aber da muss man durch ein Tor. „Sie brauchen einen Ausweis“, sagt der Wachmann. Etwas perplex frage ich, was denn fuer einen. „Einen, den sie nicht haben.“ Klare Ansage.

Die naechste Zeit verbrachte ich damit nicht nach Lemberg, sondern nach Chisinau (mit dreieinhalb Stunden durch Transnistrien) zu fahren. Mit dem Ergebnis, dass es nun doch nach Lemberg weitergeht. Wie es dazu kam, lest uihr, liebe Leser in der naechsten Folge dieser Soap.



No Responses Yet to “Jalta – Dichter, Dichter und die Festung, auf die keiner kommt”  

  1. No Comments Yet

Leave a Reply