Ein georgisches Gelage
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Man nehme viel Essen – Lobiani, Chachapuri, Kebab, Schaschlik, Fritten etc. -, eine gesellige Runde, wähle aus ihr einen Tamada (Tischleiter) und gebe ihr viel Wein, hausgemacht oder aus Kachetien, in jedem Fall weiß. Als zweiten Schritt lasse man den Tamada reden; er wird auf den Frieden anstoßen, den Anlass, die Bekanntschaft, die Eltern. Sein Glas wird er nach jedem Trinkspruch unverzüglich und vollständig leeren, die anderen am Tisch ihm nicht in dieser Konsequenz folgen, können aber. Nach dem ersten Trinkspruch sollte das Essen beginnen, sodass zumindest eine kleine Chance besteht, den Totalrausch abzufangen.
Üblicherweise wird nach wenigen Trinksprüchen der Tamada einige Dinge wiederholen, insbesondere wenn er den Trinkspruch zur Erweiterung an andere Männer weiterreicht – die Erweiterung fügt üblicherweise nichts Neues hinzu, darf auch gerne wortgleich sein. Es gilt dennoch höchste Aufmerksamkeit, auch wenn es zu ausschweifenden Tischgesprächen kommt. Der Tamada wird zur Absicherung seiner Autorität einen Gehilfen haben, der gelegentlich die Aufmerksamkeit wieder einfordert. Pathos ist in jedem Fall ein gern gesehener Gast.
Nach Ende des Essens wird es nicht lange dauern bis die ersten Trinksprüche auf die Toten kommen – Verwandte oder die Toten aller Kriege. Letzteres insbesondere dann, wenn Personen an der Tafel sitzen, deren Verwandte im Krieg gestorben sind. Die Stimmung kippt üblicherweise ins Melancholische, die Trinksprüche werden länger. Es ist schon ein gewisser Grad an Trunkenheit erreicht. Aufstehen sollte man nun eher vorsichtig.
Doch die Phase der Melancholie wird überwunden, Nachtisch wird gereicht – von Melone bis Torte. Es gilt auch diese zu essen, unabhängig davon, ob man noch Hunger hat. Erstens wäre es unhöflich, zweitens ist es eine unverzichtbare Grundlage für möglicherweise anstehendes Bruderschaftstrinken.
Der Abend geht dann ausgelassen einem Ende zu, bis man selbst oder der Rest der Tafel ins Bett geht. Ein Abschied verläuft mit Küsschen auf die Wange und unter dem Versprechen, sich wieder zu sehen. Ein leichtes bis schweres Schwanken begleitet den Heimweg.
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Tags: Essen, Georgien, Reise, Tafel, Trinken


Name: Friedhelm Weinberg


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