Zeitreisen

10Sep09

• WELTsein

Schon in Dresden habe ich einen Reiseführer aus dem Verlag Planeta Moskau von 1989 in der Bibliothek ergattern können. Aber in Tbilisi habe ich nachlegen können und dasselbe Modell auf Englisch von 1979 erwerben können.
Sollte 15 Lari kosten, auf 8 habe ich den Verkäufer runtergehandelt, 5 wären wohl in Ordnung gewesen. Und nachdem er gemerkt hat, dass ich wirklich kein Russe bin und seinen Russisch-Georgisch-Sprachführer nicht kaufen will, sondern ein Deutscher, der einen für Georgisch-Deutsch hat, gab es ein schönes Gespräch. Er war nämlich ab 1980 zwei Jahre in der DDR, in Potsdam. Gern und gut erinnert er sich an die Zeit: Die Privilegien, die sie genossen; das Wild, das sie jagten; die Fische, die sie fingen; die Pilze, die sie sammelten; an eine Exkursion nach West-Berlin.
Heute steht der etwa 50-jährige an einer Unterführung und verkauft gebrauchte Bücher. In seinem Mund hängen nur noch wenige angefaulte Zähne, seine Augen leuchten beim Handeln, seine Haare sind etwas verstruppelt und werden nur sehr langsam grau, die Sachen sind nicht ganz sauber. Stellte man viele Männer seiner Generation in einer Reihe, er fiele nicht auf.
Am Ende zeigt er mir noch sein Tattoo: Ein Anker. Oben drüber: Potsdam 1980, unten drunter: DDR. Und erzählt von der kleinen Reise, wie er sie nennt: Tbilisi-Moskau-Brest-Warschau.



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