gluehbirnefluechtlinge

• WELTsein

Schon von der Autobahn von Tbilisi nach Westen sind sie immer wieder zu sehen. Lange Reihen kleiner Häuser, ein Geschoss, vielleicht 50 Quadratmeter Wohnfläche, vielleicht noch einmal ein so großer Garten. Häufig steht Mais in der Nähe. Angestrichen sind sie alle gleich, in einem grün, einem gelb oder einem rosa. Es ist als hätte man Plattenbau- und Reihenhaussiedlung zusammengeworfen und dabei vergessen, eine Stadt in die Nähe zu setzen.
Es sind Flüchtlingssiedlungen, gebaut schnell nach dem Augustkrieg, für alle Flüchtlinge, die sich dafür entscheiden. Wer es nicht will, bekommt 10.000 Dollar. Die Häuser sind der Ausweg aus der Turnhalle, auch wenn sie häufig kleiner sind als die Höfe, die manche Familien in Südossetien hatten. Also werden sie schnell besiedelt.
Ein Jahr nach dem Krieg wird nun eine neue Siedlung fertig, die die GTZ im Auftrag des Auswärtigen Amtes gebaut hat. Wir haben sie besucht, noch unbewohnt und gerade das macht ein eigenartiges Gefühl. Die Häuser sind neu, fertig eingerichtet und warten auf Menschen. Menschen, die ihr eigentliches Zuhause verloren haben, ein Jahr lang in einer provisorischen Unterkunft gelebt haben und sich nun hier einrichten wollen. Kann so etwas ein neues Zuhause werden? Verhindert das nicht die Enge, dass alles gleich ist, dass es einfach nicht das Dorf ist, indem man vorher gelebt hat?
Der Projektleiter der bezeichnet sie als Luxusflüchtlinge, im Vergleich zu dem, was er acht Jahre in Afghanistan erlebt hat und freut sich, dass sich in Georgien so um die Flüchtlinge gekümmert wird, gekümmert werden kann. Auch dass es bei den anderen Siedlungen so schnell ging, das sei eine Meisterleistung gewesen. Und das Flüchtlinge am Bau eines Gemeindezentrums mitwirken und auch sonst von den Baufirmen ausgebildet werden, das zeigt, dass sie an ihrer neuen Siedlung im Rahmen des Machbaren beteiligt werden.
Und diesen Rahmen werden wohl nur wenige Flüchtlinge verstehen. Sie haben viel verloren und da ist es ein schwacher Trost, dass sich im Vergleich zu anderen Krisenregionen gut um sie gekümmert wird. Dass Zeit, Budget, Wissen und Koordination beschränkt sind, ist für eine Familie, die viel aufgeben musste, wahrscheinlich nur schwerlich eine Entschuldigung.
Das sind die Gedanken, die durch den Kopf gehen, beim Spaziergang durch die noch leere Flüchtlingssiedlung. Das macht es so schwer, sich das alles belebt vorzustellen. Auch wenn hier Leben einkehren wird, vielleicht nicht unverzüglich, aber doch irgendwann. Die Häuser sind massiv gebaut.



2 Responses to “Luxusflüchtlinge?”  

  1. 1 Lisa

    Ich habe nach dem Besuch im GTZ Dorf immer wieder drüber nachgedacht…. und das Wort Luxusflüchtlinge kreiste in meinem Kopf. Am Anfang war ich erstaunt, begeistert von den robut gebauten Häusern… Doch, 50 m2? Für 4 Menschen? Auf Dauer? Warum hat man für all das Geld nicht Häuser IN Gori gekauft und einfach saniert? Angebot gibt es. Oder zumindestens in der Stadt verteilt gebaut? Wäre das teurer gewesen? Wahrscheinlich nicht! Hätte man diese Ghettoisierung vermeiden können? Wahrscheinlich schon! Denn auch wenn die Häuser besser gebaut sind, als die der Regierung und auch wenn sie näher an Gori gebaut sind, als die der Regierung so bleiben doch für alle das gleiche Problemen: Arbeitlosigkeit, Armut und mangelnde Integration. Das sind Probleme die diese Häuser nicht lösen können und die doch viel essentieller sind.
    Luxusflüchtlinge? Ich glaube nicht.

  2. Ja, ich musste da auch ziemlich viel darüber nachdenken. Bin mir auch nicht sicher, ob diese Siedlungen, so nah sie auch an der Stadt sind, nicht eine ganz eigenartige Gemeinschaft entstehen lassen. Aber vor allem kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie das sein soll, da jetzt einzuziehen, ein neues Leben zu beginnen. In diesen Tagen müsste das ja passieren.


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