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Diese Ruhe. Selbst um 7.30 Uhr weigert sich diese Stadt aufzuwachen – weshalb es auch etwas dauert, bis ich einen Kundigen finde, der mir den Weg zu meiner Unterkunft erklären kann. Nach zwei Stunden in der Kälte am frühen Morgen – in denen man wunderbare Sachen machen kann, wie direkt über den Newski rennen – klingt das Schweizerdeutsch meiner Unterkunft etwa so verständlich wie Polnisch. Also eher geht so. Sonst aber ein sehr netter Typ.

Die Petersburger Staatliche Uni ist etwas schöner als meine, so als Kloster mit Riesenkirche dran, auf die man auch rauf darf. Im nahen Park zeigt ein relativ fescher Lenin den Weg zum Kommunismus – muss im ehemaligen Leningrad ja auch -, Karl und Friedrich schauen sich an und wie immer etwas grimmig; ein paar Hunde trollen unter Herbstsonne über gepflegte Wiesen mit bunten Blättern.

Schön hier und vor allem schön ruhig. Ob beim Blick vom Kirchturm, beim Spaziergang durch die Parks, selbst auf dem Newski – ruhig, wenn man gerade aus der Hauptstadt kommt, die ständig in Eile ist.

Beim Laufen durch einen Park lerne ich zwei Studenten kennen, die gerade auf deutsch fluchen lernen. War ihnen nur ein bisschen peinlich, aber dann kommen wir ins Gespräch. Sie ist von der Insel Sachalin, kurz vor Japan, was ungefähr so weit weg ist wie San Francisco von Berlin; er aus Mittelrussland, wo es im Winter Minus 60 Grad werden, wie er stolz erzählt, wo man mit einem Kaffee dann nicht auf den Balkon darf, da der sonst mit einem Windstoß so kalt ist, dass man krank wird. Sagt er zumindest. Sonst reden wir noch ein bisschen über das übliche: Dass Russen Deutsche lieben, aber Amis hassen und warum eigentlich. Ist mir immer noch nicht klar. Die Amerikaner sind die Bösen, weil sie die russischen Leistungen aus dem zweiten Weltkrieg nicht anerkennen – aber die Deutschen? Aber schön uns kennen zu lernen, viel Spaß dann noch in Petersburg, ein paar ernst gemeinte Abschiedsworte.

Der Spaß kommt dann in der Erimitage. Dass es sowas gibt, alles auf einmal, wie riesig, schön – aber auch etwas größenwahnsinnig. Eine schöne Allegorie auf Russland, nur etwas prachtvoller als die Realität.




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