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• WELTsein •
Auf einmal standen vor dem Wohnheim ganz viele Opis und alle sprachen sie deutsch. Und was das für Opis waren: Absolventen meiner sehr prestigeträchtigen Uni, die den Laden zum Teil vor 50 Jahren verlassen haben und das jetzt hier mal feiern wollten. Preisfrage: Was sind das für Leute, die das heute noch sehr staatsnahe Institut vor 50 Jahren abgeschlossen haben? Genau. Menschen, die in DDR und Sowjetunion nicht unbedingt das System zerstören wollten, eher im Gegenteil. Continue reading ‘Das sind dann also die Absolventen’
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Tags: Absolventen, Auslandssemester, Moskau, Studium
Eine Entscheidung
• FREIsein •
Jean Amery hat in seinem Buch „Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod“ sich eingängig mit der Frage beschäftigt, ob man nur im letzten Moment vor dem Freitod eben wirklich frei ist.
Er hat sich 1978 selbst getötet.
Gern würde ich mehr dazu schreiben, aber ich habe das Buch nicht gelesen und kenne es nur aus einem Seminar, dass ich mal besucht habe. Es kam mir nur wieder in den Sinn bei unseren Monatsthema und den Beiträgen von schwerelos und der Wahlberlinerin. Ich finde es durchaus einleuchtend, aber erschreckend.
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Tags: Freier Wille, Freiheit, Jean Amery, Philosophie, Selbstmord
Die Stadt mit dem tollen Museum
• WELTsein •
Diese Ruhe. Selbst um 7.30 Uhr weigert sich diese Stadt aufzuwachen – weshalb es auch etwas dauert, bis ich einen Kundigen finde, der mir den Weg zu meiner Unterkunft erklären kann. Nach zwei Stunden in der Kälte am frühen Morgen – in denen man wunderbare Sachen machen kann, wie direkt über den Newski rennen – klingt das Schweizerdeutsch meiner Unterkunft etwa so verständlich wie Polnisch. Also eher geht so. Sonst aber ein sehr netter Typ.
Die Petersburger Staatliche Uni ist etwas schöner als meine, so als Kloster mit Riesenkirche dran, auf die man auch rauf darf. Im nahen Park zeigt ein relativ fescher Lenin den Weg zum Kommunismus – muss im ehemaligen Leningrad ja auch -, Karl und Friedrich schauen sich an und wie immer etwas grimmig; ein paar Hunde trollen unter Herbstsonne über gepflegte Wiesen mit bunten Blättern.
Schön hier und vor allem schön ruhig. Ob beim Blick vom Kirchturm, beim Spaziergang durch die Parks, selbst auf dem Newski – ruhig, wenn man gerade aus der Hauptstadt kommt, die ständig in Eile ist.
Beim Laufen durch einen Park lerne ich zwei Studenten kennen, die gerade auf deutsch fluchen lernen. War ihnen nur ein bisschen peinlich, aber dann kommen wir ins Gespräch. Sie ist von der Insel Sachalin, kurz vor Japan, was ungefähr so weit weg ist wie San Francisco von Berlin; er aus Mittelrussland, wo es im Winter Minus 60 Grad werden, wie er stolz erzählt, wo man mit einem Kaffee dann nicht auf den Balkon darf, da der sonst mit einem Windstoß so kalt ist, dass man krank wird. Sagt er zumindest. Sonst reden wir noch ein bisschen über das übliche: Dass Russen Deutsche lieben, aber Amis hassen und warum eigentlich. Ist mir immer noch nicht klar. Die Amerikaner sind die Bösen, weil sie die russischen Leistungen aus dem zweiten Weltkrieg nicht anerkennen – aber die Deutschen? Aber schön uns kennen zu lernen, viel Spaß dann noch in Petersburg, ein paar ernst gemeinte Abschiedsworte.
Der Spaß kommt dann in der Erimitage. Dass es sowas gibt, alles auf einmal, wie riesig, schön – aber auch etwas größenwahnsinnig. Eine schöne Allegorie auf Russland, nur etwas prachtvoller als die Realität.
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Tags: Auslandssemester, Russland, Sankt Petersburg, Spaziergang, Universität

Archivfoto ohne Stau, aber mit Stalinschwester und Wasserreflektionen
• WELTsein •
Heute mal in Stakkato:
- Autos, Autos, voll, voll
- Wer ist so blöd und fährt hier?
- Gastarbeiter leben auch dort, wo andere Menschen im Stau stehen
- Daran vorbeizulaufen und der schnellste zu sein, ist schon komisch, Schere-Stein-Papier hieße, dass ein Fahrrad jetzt vorbei fahren müsste, kommt aber nicht
- Spiegelungen in der Moskwa machen schon was her, Stalinschwestern auch
- Eigentlich eine ganz schöne Gegend
Ähnliches bei Gregor, aber in ausformuliert.
Bald hier: Petersburg – Stadt der Ruhe und der großen Museen. Das ist das schöne an dem Blog – ich war schon in Petersburg und weiß ja auch schon, was hier stehen wird, aber ich bestimme halt und finde, das wartet noch.
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Tags: Architektur, Moskau, Russland, Spaziergang, Stau
• WIRsein •
Wofür Stipendien? Das ist eine gar nicht so einfache Frage. Und vielleicht etwas weit gefasst. Was sollen die Stipendien, die vom Bildungsministerium kommen und von den elf großen Begabtenförderwerken verteilt werden? Überspitzt formuliert könnten das folgende zwei Antworten sein: Continue reading ‘Stipendien, Verteilung und ein bisschen Marxismus’
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Tags: Gerechtigkeit, Politik, Stipendium, Studium
Wirklichkeit abschaffen?
• ALLTAGsein •
Hier passiert so wenig, obwohl hier ja eigentlich viel passiert. Das ist kein Widerspruch, sondern einmal ein virtuelles hier und einmal ein lokales, ob es wirklich ist, da kann man zweifeln. In „Der Mann ohne Eigenschaften“ wird mehrfach gefordert, die Wirklichkeit abzuschaffen. Es pendelt immer zwischen Positivismus und dem Infragestellen des Seins, Rationalismus und Hingabe zum Subjektiven – und der Frage, ob es etwas dazwischen geben kann. Und weil ich beim Lesen spüre, wie schwer das Schreiben war, fällt es mir selbst schwer zu schreiben. Die Leichtigkeit des Sommers, des Aufschreibens des Erlebten ist weg.
Mal schauen, ob ich einen Zugang zur Wirklichkeit wieder finde. Oder sie hier zu finden ist oder sein wird.
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Tags: Österreich, Literatur, Robert Musil, Russland, Schreiben


Name: Friedhelm Weinberg

